Zentralrat der Konfessionsfreien korrigiert kirchliches Narrativ im öffentlich-rechtlichen Rundfunk

2. April 2026
In einem Interview mit NDR Info am Gründonnerstag hat Philipp Möller, Vorsitzender des Zentralrats der Konfessionsfreien, ein irreführendes Narrativ über die Finanzierung kirchlicher Sozialeinrichtungen korrigiert. Anlass war die aktuelle Debatte über Kirchenaustritte und deren gesellschaftliche Folgen.
Die Caritas-Legende
Möller widersprach der weitverbreiteten Darstellung, wonach sinkende Einnahmen aus der Kirchensteuer die Arbeit von Caritas und Diakonie gefährdeten:
„Daran ist ungefähr alles falsch. Caritas und Diakonie werden zu über 98 Prozent aus Versicherungsbeiträgen und Geldern der öffentlichen Hand finanziert. Wenn morgen alle Menschen aus der Kirche austreten würden, hätten Caritas und Diakonie immer noch 98,2 Prozent ihres Budgets.“
Zuvor war das Narrativ der „Caritas-Legende“ auch in dem NDR-Beitrag reproduziert worden. Möller stellte klar: „Caritas und Diakonie werden von der Kirche gemanagt, aber von der Öffentlichkeit bezahlt.“
Taufe als Eintritt in die Steuergemeinschaft
Zudem machte Möller auf eine strukturelle Besonderheit des deutschen Kirchensteuersystems aufmerksam: Neugeborene werden durch die Taufe automatisch zu Mitgliedern einer Steuergemeinschaft – ohne ihr Wissen und ohne ihre Zustimmung. Dies sei unzeitgemäß.
„Es gibt keine religiösen Kinder, es gibt nur Kinder religiöser Eltern. Babys werden automatisch zu Katholiken oder Protestanten gemacht – und sobald sie das erste Mal arbeiten gehen, sind sie sofort Mitglied einer Steuergemeinschaft.“
Absolute Mehrheiten – Politik muss reagieren
Auf die Frage, wann die Politik auf den demografischen Wandel reagieren müsse, antwortete Möller: „Wir sind im Moment bei etwa 48 Prozent Konfessionsfreien in Deutschland. Wenn das so weitergeht, dann haben wir bald die 51 Prozent – und spätestens dann muss die Politik auch reagieren.“
Laut Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) waren Ende 2025 noch 23 Prozent der Bevölkerung katholisch und 21 Prozent evangelisch. Ein zentrales Ergebnis jüngsten EKD-Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung war, dass für rund 80 Prozent aller Menschen in Deutschland Religion keine oder nur eine geringe Bedeutung hat.