Neue Perspektiven und alter Vorstand beim Zentralrat der Konfessionsfreien

Bei seiner Strategieklausur am 11. und 12. September in Erfurt hat der Zentralrat der Konfessionsfreien zwei Workshops durchgeführt und seine Ratsversammlung mit Vorstandswahlen abgehalten. Der Vorstand wurde für zwei weitere Jahre wiedergewählt und hat über erweiterte finanzielle Möglichkeiten berichtet.

Strategieklausur in Erfurt – Foto (c) Evelin Frerk

Workshop zum „Fall Volz”

Beim ersten Workshop hat Michael Schmidt-Salomon von der Giordano-Bruno-Stiftung den Kampf um reproduktive Selbstbestimmung bis zur Aufhebung des § 219a StGB nachgezeichnet und vom Fall des Lippstädter Chefarzts Joachim Volz berichtet, dem sein katholischer Klinikträger Schwangerschaftsabbrüche untersagt hatte. „Der Fall Volz hat die restriktive Abtreibungspolitik katholischer Krankenhausträger bundesweit öffentlich gemacht. Wir brauchen eine weltanschaulich neutrale Medizin im weltanschaulich neutralen Staat“, sagte Schmidt-Salomon abschließend.

Benjamin Stibi vom Institut für Weltanschauungsrecht ordnete den Fall juristisch ein und legte dar, dass das Verbot von Schwangerschaftsabbrüchen auf der Grundlage des Weisungsrechts ausgesprochen wurde, das jedem Arbeitgeber zusteht. „Das Verfahren ist zugleich ein politisch-medialer Erfolg, denn es hat die notwendige Debatte um die Probleme der konfessionell gebundenen Gesundheitsversorgung angestoßen“, so Stibi. Volz selbst ist inzwischen Direktkandidat von Bündnis 90/Die Grünen für den nordrhein-westfälischen Landtag.

Workshop zur „Bekenntnisfreien Schule im bekenntnisfreien Staat”

Im zweiten Workshop ging es um die im Grundgesetz vorgesehene, aber ungenutzte Möglichkeit bekenntnisfreier Schulen. Vorsitzender Philipp Möller verwies auf die im November 2025 einstimmig beschlossene GEW-Unterstützung für dieses Modell sowie auf eine für November in München geplante Podiumsdiskussion. „Wo Kinder gemeinsam Mathe und Englisch lernen, sollten sie auch gemeinsam über Ethik, Werte und Religion sprechen, ohne dabei nach dem Glauben ihrer Eltern getrennt zu werden – das ist auch integrationspolitisch dringend erforderlich“, sagte Möller. Gerhard Lein (SPD AKSH) ergänzte die Debatte um Erfahrungen aus Hamburg und die Perspektive der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der er ebenfalls angehört. 

Ratsversammlung

Bei der abschließenden Ratsversammlung wurde der Vorstand wiedergewählt und wird ab sofort durch einen neuen Schatzmeister unterstützt. Außerdem wird der Zentralrat ab dem Jahr 2027 in erweitertem Umfang durch die Julian-Huxley-Stiftung unterstützt wird, die die bestehende Finanzierung durch die gbs ergänzt. Mit diesen Möglichkeiten will der Zentralrat im nächsten Jahr wieder eine Veranstaltung in der Größenordnung des Parlamentarischen Abends vom September 2025 ausrichten und verstärkt auf Parteitagen präsent sein, darunter die Bundesdelegiertenkonferenz der Grünen im Dezember 2026 in Berlin; außerdem hat sich der Verband für einen Präsenz beim Kirchentag 2027 in Düsseldorf angemeldet. Das Jahresprogramm für 2027 wird bei der Verbandsratssitzung im Dezember 2026 präsentiert.

Die Teilnehmenden der Strategieklausur in Erfurt 2026 – Foto (c) Evelin Frerk

Fazit: „Es gibt viel zu tun!”

Die stellvertretende Vorsitzende Ulla Bonnekoh zeigt sich nach dem Wochenende sehr erfreut: „Mit der erweiterten Finanzierung durch die Julian-Huxley-Stiftung können wir die nächste Stufe des Zentralrats zünden.” Auch Möller ist sehr zufrieden: „Das war ein ausgesprochen konstruktives Treffen mit sehr netten Menschen und viel Raum für fachliche Gespräche und für die Netzwerkarbeit.” Der Verbandsratsvorsitzende Dr. Rainer Rosenzweig ermutigt die Verbände zur Mitarbeit: „Wir freuen uns über konkrete Projektvorschläge unserer Mitglieder, die wir dann unterstützen oder in Kooperation durchführen können – legen wir los, es gibt viel zu tun!”